Warum Physiotherapie

Die Physiotherapie richtet ihr Augenmerk auf die Funktion der Weichteile (Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien u.s.w.), die bekanntlich Gelenke bewegen. Etwas vereinfacht kann man sagen, dass Muskeln aus einem Knochen herauswachsen, über ein Gelenk ziehen und in den benachbarten Knochen wieder hineinwachsen. Somit sind Gelenkbeweglichkeit und Muskelfunktion von einander abhängig.

Kontrahiert ein Muskel (er spannt sich also an), wird er dadurch kürzer und bewegt dadurch das Gelenk. In gleichem Maße wie sich dieser Muskel verkürzt, muss sich sein Gegenspieler dehnen. Die Muskulatur muss also immer in einem geschmeidigen Zustand sein,um sich zu verkürzen, passiv und aktiv zu verlängern und zusätzlich noch Ausdauer, Kraft und Koordination leisten.

Lähmungen und Lahmheiten können zum Schwund ganzer Muskelgruppen führen, aber auch zu Muskelverkürzungen, die Bewegungseinschränkungen in Gelenken und Weichteilgeweben nach sich ziehen. Auch Narben und Entzündungen können zu Bewegungseinschränkungen führen.

 

Bei Überbelastung / Überforderung der Muskulatur kann es zu Ermüdung, Übersäuerung bis hin zum Muskelriss kommen. Muskelermüdung ist einer der wichtigsten Auslöser für Lahmheiten.

 

Der Muskel wird über Durchblutung ernährt (ganz anders als das Gelenk, es hat einen Knorpelüberzug. Für seine Ernährung sorgt die in der Gelenkkapsel produzierte Gelenkflüssigkeit. Sie wird bei jeder Bewegung regelrecht in den Knorpel hinein gedrückt).

Kleine Blutgefäße, die Kapillaren, durchziehen den Muskel. Sie enden im Gewebe, das jede einzelne Zelle umschließt. Es heißt extrazelluläre Matrix (EZM). Aus der extrazellulären Matrix (EZM) werden die Nährstoffe aus dem Blut durch die halbdurchlässige Zellmembran in das Zellinnere geleitet und umgekehrt die Abfallprodukte des Zellstoffwechsels aus der Zelle hinaustransportiert und weiter abgeleitet.

Diese Prozesse können nur dann ungehindert ablaufen, wenn die Beweglichkeit der Gewebe gewährleistet ist und das extrazelluläre Gewebe selber in einem guten Flüssigkeitszustand ist. Ein verkürzter, verspannter oder vernarbter Muskel drückt die Kapillaren ab und behindert damit die Nährstoffzufuhr in das extrazelluläre Gewebe.

Die Physiotherapie setzt diverse manuelle Mobilisierungen, Muskeldehnungen und andere medizinische Handgrifftechniken zur Lockerung der verschiedenen Gewebsstrukturen ein. Die Physiotherapie ist ein Teil in der ganzheitlichen Betreuung, Pflege und Behandlung eines Pferdes.

Nicht nur das richtige Reiten trägt entscheidend zur Gesunderhaltung des Pferdes bei, sondern auch die Zahngesundheit, die Hufpflege, die Zäumung, der Sattel, die Haltung, Pflege und Fütterung, sowie ein fachgerechter Umgang mit dem Pferd.

Es ist also notwendig, das Reitlehrer, Tierarzt, Pferdezahnarzt, Schmied, Sattler, Physiotherapeut und Reiter sich als Team verstehen und zusammen arbeiten.

Was bewirkt Physiotherapie

Physiotherapie verbessert die Zirkulation des Blut- und Lymphgefäßsystems, verbessert die Elastizität aller Gewebe und Gelenke im Körper und trägt somit zur Leistungssteigerung und Gesunderhaltung des Pferdes bei.

Ziel der Physiotherapie

Ziel der Physiotherapie ist das Erlernen oder Wiedererlernen/Wiederherstellen der natürlichen Bewegungsabläufe, denn die ausbalancierte Körperhaltung und Bewegung fördert die Effizienz der Arbeit von Muskulatur und Gelenken.